16.11.17

Den Wald nach Haus holen

Nicht jeder hat wie ich den Wald vor der Tür.
Im Netz bin ich auf einige wunderbare Anregungen gestoßen, wie man sich das Waldfeeling ansatzweise nach Hause holen kann:

http://frenchbydesignblog.com/2017/11/enchanted-forest-wallpaper.html

Bildquelle: siehe Link





19.9.17

Rotkäppchen kommt hier nicht vor

Populismus ist in. Gerade in der heutigen Zeit, so kurz vor den Wahlen. Da ist doch jedes Mittel recht und keine Plattitüde zu platt (welch nettes Wortspiel) um beim gemeinen Volk zu punkten. Das Rezept ist altbekannt und leider auch bewährt. Man gibt dem besorgten und unentschlossenen Otto Normalverbraucher einen Feind, auf den er sauer sein kann. Inwiefern das Ganze berechtigt ist, das spielt keine Rolle. Man muss nur laut genug sein und tüchtig auf die (Werbe-)Trommel schlagen. Absolut wichtig ist es dabei, latente Ängste zu schüren und ans Licht zu holen. Sind keine vorhanden, dann muss man sie eben schaffen. Alldieweil ist es vollkommen unerheblich, ob man da aus einer Mücke einen Elefanten macht. Hauptsache das Feindbild stimmt.

So etwas schweißt ja zusammen und schafft Gemeinsamkeit (und natürlich auch Wählerstimmen). Der Mensch ist unglücklicherweise ein Herdentier. Also kann man ihm alles, was die Herde bedrohen könnte, auch als Gefahr verkaufen. Die AfD macht es geradezu beispielhaft vor. (Es ist übrigens nicht einmal einhundert Jahre her, da gab es noch Andere, welche nahezu perfekt darin waren Feindbilder in den Herzen der Menschen zu versenken.) Allerdings haben wir Deutschen keine Monopol auf Populismus. Wo immer man sich in der Welt umschaut, treibt er gerade die schönsten Blüten.

Und wenn es mal nicht die Andersdenkenden, die Andersgläubigen, die Andersfarbigen oder die-was-auch-immer-anders-ist-Leute sind, dann ist es eben halt mal der Wolf. Da geht doch was, denkt sich ein parteiloser Kandidat und erhofft sich durch dieses Thema Rückendeckung und Wahlerfolg.  Er ruft zur Podiumsdiskussion in die Waldschule auf. Bisher war ich immer der Meinung, dort sollte die Liebe zur Natur gelehrt werden. Aber schon allein die Aufmachung der Einladung lässt befürchten, dass die Natur (zu der der Wolf wohl unbestritten gehört) hier nicht so gut weg kommt. Ganz oben kann man in Leserichtung (das ist ein klassischer Griff in die Marketingkiste) zuerst einen zähnefletschenden Wolf (oh, wie schaut der doch grimmig drein!), dann ein gemeucheltes Schaf (das Blut ist gut erkennbar) und zum Schluss ein dickes Paragraphenzeichen erkennen. Die Botschaft ist eindeutig: Böser Wolf mordet unschuldiges Lämmchen - doch wir werden ihm mit Recht und Gesetz Einhalt bieten.



Die Liste der bei der Diskussion anwesenden Gäste spricht ebenfalls Bände. Da ist die Chefin vom Kreisbauernverband. (Deren Einstellung ich schon noch irgendwie nachvollziehen könnte, wenn ich guten Willens wäre). Ein Schäfermeister, der als Geschädigter bezeichnet wird. Gefolgt von einem Rechtsanwalt, der ehrenamtliches Mitglied im Jagdverband Brandenburg/Havel e.V. ist. Und natürlich noch der Kandidat, der uns vorm bösen Wolf beschützen will. Dem gegenüber stand ein einsamer Mensch der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V.. Ich hoffe, der Moderator hat es geschafft, dass dieser nicht fluchtartig den Saal verlassen musste. Ein derart offensichtliches Ungleichgewicht an Vertretern konträrer Meinungen lässt mich das Schlimmste befürchten.  (Dass ein Thüringer doch nicht für die Brandenburger sprechen könne, wird sicher das netteste Argument gewesen sein.)

Ich konnte leider an dem Schauspiel der Podiumsdiskussion nicht teilnehmen. (Oder vielleicht auch zum Glück für mein inneres Gleichgewicht.) Die Rückkehr aus dem Urlaub stimmt die Menschen im Allgemeinen etwas melancholisch. Ich bin da keine Ausnahme. Der Anblick, der vielen überfahrenen Tiere am Straßenrad, tat sein übriges dazu. Ich wurde nicht froher gestimmt, als ich feststellen musste, welches Ereignis ich da inzwischen verpasst hatte. Dass es möglicherweise doch besser für mein Seelenheil war, als gedacht, stellte ich beim Lesen der Lokalpresse fest. Da hatte man am Vortag der Podiumsdiskussion eine Wolfmahnwache organisiert. (Tolle Idee - vielleicht sollten wir das Mal für die vielen Hühner in den Mastanlagen machen. Sind die nicht auch irgendwie Opfer?)  Mit dabei war unter anderem auch der Vorsitzende des brandenburgischen Landesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Beim Lesen schämte ich mich regelrecht fremd, weil ich da auch Mitglied bin. Es tröstet mich wirklich nur ein bisschen, das auf Internetseite der Schutzgemeinschaft deutscher Wald folgende Aussage zu finden ist:
Die Etablierung von Luchs, Wolf, Wildkatze und anderen heimischen Arten wird grundsätzlich begrüßt, da diese Arten zu einem naturnahen Wald-Ökosystem gehören und gegebenenfalls zu einer Entschärfung der Wildschadensproblematik führen können.
Irgendwie bin ich ganz froh, dass am Wochenende endlich Wahlen sind. Wer weiß, worauf die Populisten sonst noch kommen. Wenn ich an die Tierkadaver recht und links der Autobahn denke, mache ich mir glatt Sorgen, dass noch jemand die Autofahrer angreifen könnte. Obwohl - die haben ja eine Lobby (ganz oben).

14.6.17

Kluge Worte eines kleinen Mannes



Zen-Meister Thich Nhat Hanh übt seit 70 Jahren Meditation und Achtsamkeit und strahlt ein außergewöhnliches Gefühl von Ruhe und Frieden aus. Er ist ein Mann, der fundamentale Wahrheiten ausspricht und den die Buddhisten als Bodhisattva verehren.  Suche das höchste Niveau des Seins, um anderen zu helfen.

Seitdem er die Schrecken des Vietnamkrieges erlebte, hat der 86-jährige Mönch sein Leben der Überwindung von Konflikten gewidmet. 1967 nominierte ihn Martin Luther King für den Friedensnobelpreis und sagte: "Seine Ideen für den Frieden, wenn sie verwirklicht würden, wären ein Denkmal für die Ökumene, die Weltbruderschaft, die Menschheit. "

So scheint es nur natürlich, dass er in den letzten Jahren seine Aufmerksamkeit nicht nur auf die disharmonischen Beziehungen der Völker gerichtet hat, sondern auch auf die mit dem Planeten, auf den wir alle angewiesen sind.

Thay, das wissen Tausende seiner Anhänger, sieht den Mangel an Sinn und Verbindung im Leben der Völker als die Ursache unserer Sucht nach Konsum.  Es ist wichtig, dass wir den Stress, den wir der Erde machen, erkennen und darauf reagieren, wenn die Zivilisation als solche überleben soll.

....

(Nach Thays Überlegungen sollten wir, verschiedene Aspekte in unserem Umgang mit der Erde verändern. Hier einige Auszüge aus dem obigen Artikel.)

Über das Konzept der "Umwelt" hinausgehen

Er glaubt, dass wir über den Begriff “die Umwelt“ hinausgehen müssen, da dies die Menschen dazu bringt, sich selbst und die Erde als zwei getrennte Einheiten zu erleben. Damit sehen sie unseren Planeten als etwas, was man benutzen kann.

......

"Furcht, Trennung, Hass und Wut kommen aus der falschen Auffassung, dass du und die Erde zwei getrennte Einheiten sind. Die Erde ist nur die Umwelt. Du bist in der Mitte und du willst etwas für die Erde tun, damit du überleben kannst.  Das ist eine dualistische Sichtweise.“

Der Natur einen ökonomischen Wert zu geben ist nicht genug
...

"Wir brauchen ein echtes Erwachen, Aufklärung, um unsere Denkweise zu verändern und Dinge zu sehen."
....
Thay, der mehr als 100 Bücher geschrieben hat, deutet darauf hin, dass die verlorene Verbindung mit dem natürlichen Rhythmus der Erde hinter vielen modernen Krankheiten steht.
....
Wie Achtsamkeit die Menschen mit der Mutter Erde wieder verbinden kann
Er weist auf zunehmende Beweise hin, dass Achtsamkeit den Menschen helfen kann, sich wieder zu verbinden, indem sie den Lebensrhythmus verlangsamt und uns die Geschenke schätzen lässt, die die Erde anbietet.
"Viele Menschen leiden tief und sie wissen nicht, dass sie leiden", sagt er. "Sie versuchen, das Leiden zu vertuschen, indem sie beschäftigt sind. Viele Menschen werden heute krank, weil sie von Mutter Erde entfremdet werden.“
"Die Praxis der Achtsamkeit hilft uns, die Mutter Erde in unserem Inneren zu berühren und diese Praxis kann helfen, Menschen zu heilen. Daher sollte die Heilung der Menschen mit der Heilung der Erde zusammengehen. Das ist eine Erkenntnis und es ist jedem möglich, das zu praktizieren.
....
Du musst mit der eigenen Wut umgehen können, um wirklich etwas zu verändern

Thay hat über viele Jahre den Begriff des angewandten Buddhismus entwickelt, der von einer Reihe von ethischen Praktiken untermauert wurde, die als die fünf Achtsamkeitsschulungen bekannt sind. Diese beziehen sich sehr klar auf die Bedeutung der Bekämpfung der sozialen Ungerechtigkeit.
Allerdings, wenn soziale und umweltfreundliche Aktivisten etwas erreichen wollen, so sagt Thay, müssen sie sich zuerst mit ihrem eigenen Zorn beschäftigen. Nur wenn die Menschen das Mitgefühl für sich selbst entdecken, werden sie in der Lage sein, denen zu begegnen, die sie für die Verschmutzung unserer Meere verantwortlich machen und unsere Wälder roden.
"Im Buddhismus sprechen wir von kollektivem Handeln", sagt er. "Manchmal ist etwas fasch ist in der Welt und wir denken, dass es die anderen Leute sind, die es tun und wir tun es nicht. Aber du bist ein Teil des Unrechtes, so wie du dein Leben lebst. Wenn du das verstehen kannst, dass nicht nur du, sondern auch die andere Person diesem Umstand ausgesetzt ist,  dann hast du etwas Wichtiges verstanden. Wenn du erkennst, dass die andere Person in der gleichen Situation steckt, willst du nicht bestrafen oder beschuldigen. Wenn du mit Zorn, Angst und Unwissenheit belastet bist und darunter leidest, kannst du ....( nichts verändern.)

Die "ultimative Dimension"

Der Schlüssel zu Thays Lehre ist die Bedeutung des Verständnisses, dass wir, während wir in einer dualistischen Welt leben und arbeiten müssen, verstehen sollten, dass Frieden und Glück in der Anerkennung der ultimativen Dimension liegen.
"Wenn wir diese ultimative Dimension berühren, fühlen wir uns glücklich und wohl, wie die Vögel, die den blauen Himmel genießen, oder die Hirsche, die die grünen Felder genießen. Wir wissen, dass wir nicht das ultimative außerhalb von uns selbst suchen müssen - es steht in uns zur Verfügung, In diesem Moment. "
Während Thay glaubt, dass es einen Weg gibt, ein harmonischeres Verhältnis zwischen Menschheit und Planeten zu schaffen, erkennt er auch, dass es ein sehr wirkliches Risiko gibt. Wenn wir unseren zerstörerischen Weg fortsetzen kann die Zivilisation zusammenbrechen.
Er sagt alles, was wir tun müssen, ist zu sehen, wie die Natur auf andere Arten reagiert hat, die außer Kontrolle geraten sind: "Wenn die Notwendigkeit, zu überleben, durch Gier und Stolz ersetzt wird, gibt es Gewalt, die immer unnötige Verwüstung hervorbringt.“
"Wir können erkennen, dass wir, wenn wir Gewalt gegen unsere eigenen und andere Arten verüben, gegen uns selbst gewalttätig sind.  Wenn wir wissen, wie wir alle Wesen schützen können, schützen wir uns selbst."

Optimismus trotz drohender Katastrophe 

Die griechische Mythologie erzählt, als Pandora Büchse öffnete, wurden alle Übeltaten in die Welt freigegeben. Das zurückgebliebene Element war "Hoffnung".
Thay ist klar, dass  Optimismus unerlässlich ist, wenn wir einen Weg finden wollen, um einen verheerenden Klimawandel und die enormen sozialen Umwälzungen zu vermeiden, die sich daraus ergeben werden.
Allerdings ist er nicht naiv und erkennt, dass mächtige Kräfte uns ständig weiter zum Rand des Abgrunds drängen.
In seinem Bestseller-Buch über die Umwelt Die Welt, die wir haben, schreibt er: "Wir haben ein System konstruiert, das wir nicht kontrollieren können. Es stellt sich auf uns, und wir werden seine Sklaven und Opfer. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, in der die Reichen reicher werden und die Armen ärmer werden. Dabei werden von unmittelbaren Problemen eingeholt, dass wir uns nicht bewusst sein können, was mit dem Rest der menschlichen Familie los ist oder mit unserem Planet Erde. In meiner Vorstellung sehe ich eine Gruppe von Hühnern in einem Käfig, der um ein paar Körner Getreide streitet, ohne zu wissen, dass sie in ein paar Stunden alle umkommen werden."

Und gleich noch ein Buchtipp: 

 

10.4.17

Was wird aus unserer Stadt?

Da war es nun, das erste Pritzwalker Forum, bei dem man fachliche Informationen bekam und mitreden konnte, wohin es mit der Stadt gehen soll.

Die Maz berichtete:

http://www.maz-online.de/Lokales/Prignitz/Verstaubtes-Image


Man beklagt sich darüber, dass das Interesse "hätte größer sein können" - ich habe noch Anfang der letzten Woche verzweiflet einen Termin auf der Internetseite der Stadt für die Veranstaltung gesucht ... Wer will, dass seine Bürger mitmachen, der sollte sie doch nicht erst 3 Tage vorher einladen (sagte u.a. auch Cady Seubert am Samstag)

Die Idee mit den Mitmach-Zetteln ist ja ganz nett. Aber sie liegen in der Stadtverwaltung aus. Deren Öffnungszeiten sind nicht gerade als bürgerfreundlich bekannt. Daher wird das Ganze sicher recht verhalten angenommen. Mein Vorschlag: Fragt die ansässigen Händler und Gastronomen (vor allem die :-) ) ob sie solche Bögen ebenfalls auslegen. Vielleicht kann man sich so ein Blatt auch Online von der Stadtseite herunterladen.
Und überhaupt? Warum wurde A5 als Größe gewählt? Traut man uns nicht zu, dass wir genug Ideen haben um sie auf ein großes Papier zu schreiben?
Und was mich dann noch irritiert ist das komische Logo oben rechts. Das findet man übrigens auch auf dem neuen Pritzwalker Flyer.
Warum brauchen wir ein neues Logo?
Die grüne Kuller sieht für mich wie ein Luftballon aus, dem die Luft ausgeht. Ist das etwas ein Zeichen für die zukünftige Entwicklung der Stadt? Grün ist ja ganz schön - ich wäre die Letzte die etwas gegen diese Farbe sagen würde. Aber wir hatten bisher (neben unserem Stadtwappen) ein Logo, mit dem ich mich (und sicher auch viele andere Bürger) gut identifizieren kann. Falls es darum geht, die Ortsteile mit einzubeziehen, dann lässt sich sicher aus dem Slogan "Stadt im Herzen der Prignitz" ein "Wir im Herzen der Prignitz" machen. Das würde sicher niemanden verwirren.
Warum jetzt schon wieder etwas Neues? Wenn ich mir die Haare färbe, werde ich auch keine andere Frau.

P.S. Und für alle die mich immer wieder fragen: Ich suche seit Wochen den Wolf - Nein, ich habe ihn nicht gesehen!




Quelle: http://service.brandenburg.de/de/stadt_pritzwalk/17105

3.4.17

Wer sorgt sich um den Wald?

Schau an: Herr Rudolf Scholz meldet sich auch mal zum Thema Hainholz zu Wort. Während er sonst ja immer so "für die Natur" ist, hat er sich bisher aus der Diskussion um die alte Baumschule herausgehalten. Nun hat er aber doch eine Meinung. Nicht etwa das da etwas schief läuft, wenn man die Naherholungsfläche für die Bürger begrenzt, sondern dass man doch einen Beirat aus Fachleuten bilden solle (so fordert er in der MAZ vom Wochenende)

Da drin sollen der Tourismusverband (dessen Vertreter für den Verkauf der alten Baumschule gestimmt hat), die Wasserbehörde (die keine Bedenken wegen des Trinkwassereinzugs hatte), die untere Naturschutzbehörde (ebenfalls ohne Einwände), Herr Dr. Thiel (der seine Hände in Unschuld wäscht) und weitere Institutionen vertreten sein. Und natürlich auch der Anglerverband, der Jagdverband, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Naturschutzwacht ... von denen hat sich nicht ein einziges Mitglied öffentlich für den Erhalt des Biotops auf dem Gelände der alten Baumschule ausgesprochen!
Und jetzt wollen diese Leute entscheiden, was mit dem Rest des Naherholungsgebietes passiert?
 

Übrigens: Die Initiative ProHainholz hat der Naturfreund Scholz vergessen in seiner Aufzählung. Das war sicher nur ein Versehen? Oder meinte er etwa uns mit den "privaten Interessenten", die da nicht mit machen dürften? Das wir keine Fachleute sind, kann er ja nicht meinen. Wir können solche Berufe vorweisen wie: Forstwirt (Meister), Gärtner, Garten- und Landschaftsbauer oder sogar Master für Umweltschutz und Regionalentwicklung.

Kann es sein, dass wir vielleicht zu kompetent und engagiert sind?  

 (Alles rund um das Thema "alte Baumschule" auf www.prohainholz.info)



24.3.17

Die Natur braucht uns nicht.

Natürlich ist das vorherrschende Thema in diesen Wochen immer noch die Querelen um das Gelände der ehemaligen Baumschule Hainholz in Pritzwalk.

Mich treibt die Sorge immer wieder auf dieses Areal. Heute gibt es ganz neue Bilder, ein verwackeltes Video mit zwitschernden Vögeln und Erkenntnisse vom Waldspaziergang.


Morgenstimmung auf dem frei zugänglichen Teil:


Die Natur hat ihre eigenen Vorstellungen was mit der Fläche passieren soll.Da taucht so manches auf, was micht angepflanzt wurde.


Kiefern-Sämlinge

junge Buchen

Eichen und Buchen im ehemaligen Windschutzstreifen

Birken und andere Gehölze haben sich ebenfalls eingefunden

Die ansässigen Tiere haben inzwischen ihre eigenen Wege geschaffen
 
Ziemlich verwackelt, da muss ich noch üben. Aber das zwitschern sagt wohl alles.


Leider sind wir Menschen wieder einmal der Störfaktor im System:
Abfallberge

... mit Hausmüll versetzt 

Doch auch der eingezäunte Teil der alten Baumschule ist nicht vollständig kultiviert.
Hier zwei Blicke über den Gartenzaun.
 




Auf dem Rückweg kam ich an einer anderen Fläche der ehemaligen Baumschule vorbei. Für dieses Areal hat Herr Arndt keine Verwendung und so wurde vor wenigen Wochen der vorhandene Zaun abgebaut. Nun ist es Wald.
Ich frage mich: "Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?"

Wenn das schon Wald ist, warum dann die ander Fläche nicht?
 


 
 

 
 

 

6.3.17

So oder so?

Ich bin mit dem Thema Wald immer noch nicht durch!

Getreu dem Motto: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", gibt es hier einige Impressionen:

Morgenstimmung auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule:





Abendstimmung auf der Plantage:





24.2.17

Besuchen Sie das Hainholz - solange es noch steht!

Zugegeben, diese Überschrift ist etwas reißerisch. Aber in den letzten Tagen ging mir das Lied von Geier Sturzflug nicht aus dem Sinn. Dort heißt es
Dann ist alles längst zu spät,
dann ist, wenn schon nichts mehr geht,
besuchen Sie Europa,
solange es noch steht.

Es trifft genau meine Stimmung, wenn ich das Wort Europa mit dem Begriff Hainholz austausche.

Unsere Stadtverordneten haben entschieden, was mit dem allseits beliebten Naherholungsgebiet geschehen soll. Oder haben sie sich darum gedrückt? Die MAZ schreibt: »Im nicht-öffentlichen Teil wurde der Verkauf der zehn Hektar großen Fläche an den Heidelbeerplantagenbetreiber Bernd-Uwe Arndt mit zehn Ja- bei sieben Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen beschlossen. »

Wie kann man sich der Stimme enthalten, wenn es um eine Sache geht, die den meisten Bürgern wirklich ans Herz gewachsen ist?!

Ich habe in den letzen Wochen so viele Fragen und Gespräche geführt, dass ich mir trotz meiner Notizen, nicht mehr alles merken kann. Die Vorschläge reichten von Unterschriftensammlungen bis zur Organisation einer Demonstration.

Irgendwie habe ich immer noch (bis zum bitteren Ende) an den gesunden Menschenverstand geglaubt. Warum sollte man die Lebensqualität (sprich Erholungsmöglichkeit) aller, zum Vorteil eines Einzelnen einschränken?

Das ganze Verfahren hat für mich den Beigeschmack von Unredlichkeit. Im Vorfeld tauchte des Öfteren die Bemerkung auf: »Das darf man ja nicht sagen, dann wird man gleich verklagt«. Ich finde es schon seltsam solche Sätze zu hören, wo wir doch in der Prignitz und nicht in der Türkei leben.

Je mehr ich überlege, desto mehr Fragen stellen sich mir.
Die habe ich mal zusammengefasst und als Leserbrief an die MAZ geschickt. Nun kann es durchaus sein, dass man aus Platzgründen, einiges davon streicht. Ich will nicht darüber nachdenken, dass es auch andere Beweggründe geben könne, da unsere Zeitung in der letzten Zeit mutig und  offen über das ganze Prozedere geschrieben hat.
Trotzdem, hier also mein vollständiger Leserbrief:

In unserer Stadt schlagen die emotionalen Wogen wegen des Verkaufs der Baumschule hoch. Ich kann das nachempfinden, denn ich bin ja unmittelbar darin involviert. Trotzdem kann ich es nicht gut finden, wenn es in den sozialen Medien Beschimpfungen regnet. Das bringt uns nicht weiter.
Ich habe im Vorfeld einmal mit Herrn Arndt telefoniert. Der erschien mir als ein vernünftiger Mensch, der sein Unternehmen vergrößern will. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Allerdings gehen unsere Vorstellungen von Natur ziemlich weit auseinander. Für ihn scheint alles, was grün ist und Blätter hat, in diese Kategorie zu fallen. Die meisten von uns sehen das wohl etwas anders.
Wer zur Stadtverordnetenversammlung war, der kann nicht abstreiten, dass den Pritzwalkern ihr Hainholz sehr am Herzen liegt. Mich beschäftigen im Nachhinein jedoch noch einige Fragen:

Herr Arndt hat mir gegenüber erzählt, dass er nicht von hier sei und hier auch niemanden kennen würde. Wie kommt er denn dann überhaupt auf die Idee, einen Kaufantrag für einen Teil unseres Naherholungsgebietes zu stellen, für den es eigentlich keine ursprünglichen Verkaufsabsichten gab?

Warum habe ich auf meine Anfrage zu dieser Thematik, die ich im OKTOBER 2016 gestellt habe, zuerst keine Antwort von der Stadtverwaltung bekommen. Erst als die Sache vor den Stadtentwicklungsausschuss sollte, hat man sich kurzfristig mit mir in Verbindung gesetzt.

Mein Konzept zur Erhaltung des Baumbestandes der ehemaligen Baumschule, welches ich im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt habe, beinhaltet drei Säulen. Eine davon besagt, dass man die vorhandenen Gehölze u.a. als Arboretum nutzen kann, um Wissen und Kenntnisse über Bäume und Sträucher zu vermitteln. Wieso bietet man mir kurz vor der Stadtverordnetenversammlung von Seiten der Stadtverwaltung eine Ausweichfläche an, die jedoch keinerlei Bezug mit diesem Vorschlag hat?

Wieso verkauft die Stadt Pritzwalk Land bzw. Wald ohne zwingende Notwendigkeit? Immerhin befinden sich im Stadtsäckel mehr als 7 Millionen Euro, wie unser Bürgermeister Herr Brockmann zur Stadtverordnetenversammlung stolz verkündete.

Zu Beginn der Bürgerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung wurde eine Anfrage gestellt, ob denn die Stadtverordneten alle erforderlichen Unterlagen vorliegen hätten. Das wurde vom Bürgermeister persönlich bestätigt. In der zweiten Fragerunde habe ich sicherheitshalber noch einmal nachgefragt, ob die Stadtverordneten mein Konzept zur Erhaltung der Baumschulfläche vorliegen hätten. Das wurde von allen Fraktionen verneint. Hat unser Bürgermeister also gelogen?

Ist eine Stadtverordnetenversammlung in so einem Falle überhaupt zu dieser Thematik beschlussfähig? Was sagt denn die kommunale Geschäftsordnung, auf die man im Rathaus immer so pocht, zu so einer Konstellation? Könnte es sein, dass man Unterlagen und Informationen absichtlich zurückgehalten hat?

Je länger ich über diese ganze Angelegenheit nachdenke, desto mehr Fragen tauchen auf?
Bürgermeister Brockmann betonte vehement und ziemlich unfreundlich, dass Grundstücksangelegenheiten nicht in den öffentlichen Bereich der Tagung gehören. Wer durch Pritzwalk geht, der hat sicher schon des Öfteren an verschiedenen Häusern die Plakate mit der Aufschrift "Haus sucht Hüter“ entdeckt. Hätte da zumindest nicht im Hainholz etwas Ähnliches hängen müssen? „Wald sucht Behüter“ wäre wohl treffend gewesen.

Inzwischen schließen sich immer mehr Leute zusammen, die sich dafür engagieren, dass unser Hainholz auch uns allen zugänglich bleibt. So habe ich noch ein kleines bisschen Hoffnung im Herzen, das wir das Blatt noch wenden werden.

Wenn nicht, dann können sich alle Beteiligten zumindest auf einen spannenden Roman freuen. Immerhin habe ich mir zu den Vorgängen eifrig Notizen gemacht. Der Arbeitstitel für mein neues E-Book steht jedenfalls schon fest: »Wie ich den Wald retten wollte - ein Protokoll«

P.S. Im Herbst sind Wahlen. Wir sollten echt gut nachdenken, in wessen Hände wir zukünftig die Geschicke unserer Stadt legen.


Bildquellenangabe: Monika Fikerment  / pixelio.de
Sieht es in Teilen des Pritzwalker Hainholzes bald so aus?

20.2.17

Schneller, höher, weiter




Weil es draußen regnet, schwelge ich immer noch in alten Büchern und bin über die „Zahlentafeln für die Grundschule“ vom Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1951 gestoßen. 

Die Geschwindigkeiten-Tabelle fand ich besonders interessant.
Ein Personenzug wurde mit 14 m/s angegeben. Das sind 50,4 km/
Motorrad = 12 m/s, das macht dann 43,2 Km/h
Motorrad bei Rennen = 40 m/s. Entspricht 144 km/h 


Wenn man bedenkt, dass diese Angaben nicht einmal 70 Jahre alt sind, dann kann man schon von einer rasanten Entwicklung sprechen.

Zum Glück sind wir Fußgänger nicht schneller geworden. 1,4 m/s sind 5,04 Kilometer in der Stunde. Bei Pferden, Tauben und selbst beim Steinwurf bin ich mir nicht mehr so sicher ob sich da nicht etwas geändert hat. Schließlich wollen wir es imm schneller, weiter und höher.

Wind nach Beaufort war mir übrigens auch kein Begriff. Na zum Glück gibt es Wikipedia.


13.2.17

Käfer-Köpfen als Wissenschaft



Vor kurzem habe ich über einen Artikel aus dem 1924-er Band „Kosmos – Handweiser für Naturfreunde“ geschrieben. In diesem Buch findet sich auch ein Aufsatz eine gewissen Walter Finkler mit der Überschrift „Überpflanzung von Köpfen“. 
 
Es geht dabei darum, dass der Typ Käfern die Köpfe abgeschnitten hat und sie auf andere Käfer verpflanzt hat. Ich finde das ziemlich abartig und habe auch nicht herauslesen können, warum man so was macht. Erstaunlicher Weise sollen die Käfer diese Prozedur sogar überleben. Der Wissenschaftler beschreibt sogar genau, wie man bei diesem Prozedere vorgehen soll. Obwohl ich abgestoßen war, faszinierte mich das Ganze doch irgendwie.

Das Internet konnte mir zu Walter Finkler auch keine weiteren Informationen liefern. Allerdings stieß ich auf einen Blogartikel der die Überschrift trug: „The Bizarre History of Insect Head Transplants“ 

Hier die Übersetzung:(Die mich reichlich verstört hat)


Kopf-Transplantationen klingen wie ein verrücktes futuristisches Szenario. Stimmt’s? Aber nicht für Entomologen. Sie haben vor mehr als 90 Jahren den Kopf eines Insekts auf ein anderes verpflanzt - während sie beide Insekten am Leben hielten. Was hat man denn für Erkenntnisse von der Kopftransplantation von Insekten?

Manchmal scheint es, dass die Wissenschaft absichtlich abstruse Sachen macht. Ich las in einem  Buch von einem Biologieprofessor, der die Insekten im Wald um sein Haus beschrieb, in dem beiläufig erwähnte wurde, dass man bestimmte Sachen über die Entwicklung der Motten wusste, weil er Gehirntransplantationen mit ihnen durchgeführt hatte. Dies schien mir ein spektakulärer Fall zu sein, um sich näher damit zu beschäftigen. Insektenentwicklung ist spannend, aber Hirntransplantationen sind weitaus spannender.

Der gesamte Prozess muss im Jahre 1923 begonnen haben, als ein Biologe namens Walter Finkler berichtete, dass er es geschafft hatte, die Insekten erfolgreich zu transplantieren. Er arbeitete mit Wasserkäfern, Mehlwürmern und verschiedenen Schmetterlingen - sowohl mit Älteren - als auch mit Jüngeren. Der Transplantationsprozess war nicht kompliziert. Er nahm zwei Insekten, schnitt mit scharfen Scheren die Köpfe ab und tauschte sie aus. Die Flüssigkeit, die die Insekten selbst ausschieden, hielt die neuen Köpfe an ihrem Platz. Nach einiger Zeit - ein Artikel aus dem Jahre 1923 sagt, ein paar Wochen – waren die Insekten geheilt und taten, was ihren neuen Köpfen entsprach. Finkler behauptete, daß die Köpfe der weiblichen Insekten auf männlichen Körpern das weibliche Verhalten fortsetzten und der Kopf einer Schmetterlingsart die Gewohnheiten ihrer eigenen Species bewahrte, selbst wenn ihr Körper einer anderen Species angehörte.
Diese Publikation erregte eine Menge Kommentare. Im Laufe des Jahres 1924 veröffentlichten Zeitschriften Briefe von verschiedenen Wissenschaftlern, die das Thema erörterten. Ein Wissenschaftler, J T Cunningham, beschrieb, da er keine anderen Insekten zur Verfügung hatte, versuchte er das Experiment mit Mehlwürmern. Obwohl es schien, dass die Mehlwürmer, durch die Operation überlebten, reagierten nur die Körper auf Stimulation. Die Köpfe, weit davon entfernt, die Körper zu führen, schienen tot zu sein. Für Cunningham sah es so aus, als hätte das gesamte Experiment gezeigt, dass Insektenkörper auch „ohne Führung“ leben können, anstatt dass sie auf neue Gehirne reagieren würden.
Etliche Wissenschaftler waren sich uneins. Einige standen den Experimenten skeptisch gegenüber und lachten darüber, wie "ein männlicher Kopf einen weibliche Körper in ungewöhnliche Anomalien führte ", andere wiederum wollten das Thema ernster genommen sehen. Anscheinend trug die zweite Gruppe den Sieg davon.

Heute werden solche Transplantationen tatsächlich ernst genommen - zumindest ernst genug, um ein regelmäßiger Teil der Experimente zu sein. Körperliche Funktionen erfordern, bei den meisten Lebewesen, das Zusammenspiel von Körper und Gehirn. Obwohl die Menschen bekannt für ihre Unfähigkeit sind, ohne Kopf zu reagieren, haben Insekten nicht die gleichen Nachteile. In einer Reihe von Experimenten wurden Insekten entweder enthauptet oder deren Köpfe verpflanzt, und die Veränderung in ihren Körperfunktionen beobachtet.
Zum Beispiel verbreiten Kissing Bugs (Raubwanzen) oft Morbus Chagas (eine infektiöse Erkrankung und Parasitose), wenn sie sich von Menschen ernähren. Daher wurde ihr Stoffwechsel oft studiert. Wissenschaftler haben bei den Raubwanzen den Prozess der Akkumulation und die Verarbeitung von Kohlenhydraten studiert. Sie kontrollierten, wie das Gehirn diese beeinflusst, indem sie einige Insekten enthaupten, die Köpfe auf andere verpflanzen und sahen, welche Prozesse durch die Einführung des neuen Kopfes entweder gefördert, verlangsamt oder umgekehrt wurden. Ein ähnliches Verfahren wird bei der Untersuchung der Veränderungen in den Darmzellen von Larven verwendet. In den meisten Fällen stoppt die Kopfentfernung die Entwicklung und den Stoffwechsel, während sich bei verpflanzten Köpfen die Reaktionen veränderten und den Prozess beibehielten.

Am Verstörtesten ist, dass die die Gehirne nicht notwendigerweise dem Kopfteil des Insekts hinzugefügt werden müssen. Während der Untersuchungen, mit bestimmten Raupenpuppen, während des Übergangs zu Motte, nahmen die Forscher an, dass die Puppen immer erst einen Winter überleben müssten. Dies bedeutete, dass die Puppen in dem Stadum sehr kalten Temperaturen ausgesetzt sind. Zumindest würde das ihr ihr Gehirn betreffen. Die Wissenschaftler entnahmen einigen Mottenpuppen Gehirne, die "gekühlt" waren, und steckten sie in die Bäuchen von Puppen, die keiner Kälte ausgesetzt wurden. Tatsächlich, begannen die losen Gehirne mit der Freisetzung von Hormonen, um die Motten zu entwickeln. Wie die Insekten es geschafft haben, mit Gehirnen in ihren Inneren zu leben, wurde nicht erwähnt.

Die Idee von Kopfverpflanzungen für Säugetiere, ja sogar für Menschen, geht immer wieder durch die Nachrichten. Während die Ethik von Experimenten an Menschen und die  Ethik der Experimente mit Insekten sehr unterschiedlich betrachtet wird, lohnt es sich die ganze Sache nicht aus den Augen zu verlieren. Immerhin sind Transplantationen von Kopf und Gehirn doch nicht so unerhört, wie man denken könnte. Und sie machen uns eines klar – wenn die Insekten jemals zu riesigen Monstern mutieren, verdienen wir alles, was sie mit uns machen werden.
Recht gruslig, die ganze Sache.

Allerdings macht mich die letzten Sätze des Artikels von 1924 erst richtig stutzig.
Der junge Kopf am alten Körper macht diesen wieder jung. Freilich nur an Würmern ...!
Ich will da jetzt nicht darüber nachdenken, wo das hingehen könnte!